INSTALLATION         2017         2016         2015         2014

BLACK CUBES SOLOS


EN

For her installation Black Cubes Solos, textures and ornaments from nature act as source of inspiration for the artist Katharina Lehmann.

 

With the space that is occupied by seven black cubes, the artist conveys the idea of the connection and interaction of all items, ways and even individuals as part of a system, a microcosm. By choosing minimalist means of expression, she is yet giving importance to the most delicate nuances. From a distance, the observer only sees large, black, even, square surfaces, but the closer he gets, the more complex these objects become. The surface – on the one hand endless and chaotic, on the other hand as perfect as nature itself – is made of miles of intertwined yarn, forming the cubes.

 

The infinity of the line and the boundedness of the geometric form, chaos and system, nature and mathematic calculation – the artist is working with such opposing ideas. The cube is a closed space, isolated from the outerworld by its stable walls. And yet, the surfaces of the cubes let the observer have a look inside, meaning they imbibe the impact of the outerworld, they are not cut off from it. In the broadest sense it is a metaphor for today’s world, applicable to the single human being, the society, to every cultural entity. So in every system of today’s world, there is an unintentional or intentional impact of the single individual on its spatial environment and the other way round. Each cube literally holds an „inner voice“, being in the closed and in the visible space at the same time. Phrases, noises and sounds are filtered by the cube‘s walls as well as by the walls of the other cubes. The illusion of a discussion is formed, however, a harmonic communication and reflection is missing as it is often the case in the modern world. The cubes have a conversation with themselves, each inside itself without direct communication, they communicate indirectly. The form of the cube has a direct relation to the origins of the contemporary art. The idea of the White Cube had originally been thought to be a perfect showroom, where nothing is disturbing the perception of the art object. In such a case, Katharina Lehmann’s black cube is a kind of answer without challenge, it is the perfect exhibit.

 

On the other hand, considering the Russian cultural basis of the artist, the perception of the black cube is impossible without reference to the „Black Square“ by Kasimir Malewitsch, which was intended to be the absolut beginning of the art: no color, no form. But here form exists, and inside of it the space. The black color is destined to not distract from the basic idea. The main cube is huge compared to the others, at the same time it is the vanishing point of all the ideas of the artist. Chaos and structure, confusion and harmony.

 

Text © Nadezda Voronina, art historian, MA for Art & Space Gallery, 2017

 

 

DE

Für ihre Installation Black Cubes Solos fungieren Texturen und Ornamente aus der Natur als Inspirationsquellen für die Künstlerin Katharina Lehmann.

 

Mit dem Raum, der von sieben schwarzen Würfeln eingenommen wird, vermittelt die Künstlerin die Idee der Verbindung und Wechselwirkung aller Gegenstände, Wege und sogar Individuen im Rahmen eines Systems, eines Mikrokosmos. Indem sie minimalistische Ausdrucksmittel wählt, lässt sie dennoch den filigransten Nuancen Bedeutung zukommen. Vom Weiten sieht der Betrachter nur große schwarze gleichmäßige quadratische Flächen, aber je näher er herangeht, desto komplexer werden diese Objekte. Die einerseits endlose, chaotische, andererseits wie die Natur selbst perfekte Oberfläche aus kilometerlangem, ineinander verwobenem Garn bildet die Würfel.

 

Die Endlosigkeit der Linie und die Beschränktheit der geometrischen Form, Chaos und System, Natur und mathematische Berechnung – mit solchen gegensätzlichen Begriffen operiert die Künstlerin. Der Würfel ist ein abgeschlossener Raum, der durch seine stabilen Wände von der Außenwelt isoliert ist. Dennoch lassen die Oberflächen der Würfel einen Blick ins Innere werfen, d. h. sie nehmen die Wirkung der Außenwelt an, sie sind nicht abgeschnitten von ihr. Das ist, im weitesten Sinne, eine Metapher für die heutige Welt, die auf den einzelnen Menschen, auf die Gesellschaft, auf jede kulturelle Einheit anwendbar ist. So findet in jedem System der heutigen Welt eine unabsichtliche oder absichtliche Wirkung des einzelnen Individuums auf seine räumliche Umgebung statt, und umgekehrt. Jeder Würfel besitzt im wahrsten Sinne des Wortes eine „innere Stimme“, die sich zugleich im geschlossenen und im sichtbaren Raum befindet. Phrasen, Geräusche und Klänge werden gleichsam von den Wänden des Würfels und von den Wänden anderer Würfel gefiltert. Es entsteht die Illusion einer Diskussion, dennoch fehlt eine harmonische Kommunikation und Reflexion, wie es in der modernen Welt oft der Fall ist. Die Würfel führen eine Unterhaltung mit sich selbst, jeder in seinem Inneren, ohne direkte Kommunikation, sie kommunizieren indirekt. Die Form des Würfels hat ein unmittelbares Verhältnis zu den Ursprüngen der zeitgenössischen Kunst. Die Idee des White Cube war ursprünglich als ein perfekter Ausstellungsraum gedacht, in dem nichts das Wahrnehmen des Kunstgegenstandes stört. In solchem Fall ist Katharina Lehmanns schwarzer Würfel eine Art Antwort ohne Aufforderung, er ist das perfekte Ausstellungsstück.

 

Andererseits, wenn man die russische Kulturbasis der Künstlerin beachtet, ist die Wahrnehmung des schwarzen Würfels unmöglich ohne den Verweis auf das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch, das als absoluter Beginn der Kunst gedacht war: Null Farbe, null Form. Hier aber existiert Form, und in ihr der Raum. Die schwarze Farbe ist dazu berufen, von der grundlegenden Idee nicht abzulenken. Der Hauptwürfel ist riesig im Verhältnis zu den anderen, er ist gleichsam der Fluchtpunkt aller Ideen der Künstlerin. Chaos und Struktur, Unordnung und Harmonie.

 

 Text © Nadezda Voronina, Kunsthistorikerin, MA für Art & Space Gallery, 2017